Kino in meinem Kopf

Ungebremst rase ich mit dem Auto auf den Abgrund zu. Wie ist es bloss soweit gekommen? Panisch blicke ich zu meiner Frau auf dem Beifahrersitz – doch da ist nichts! Nicht nur meine Frau ist weg, nein, die komplette Beifahrerseite meines Autos ist verschwunden. Einfach weg! Sekunden vor dem grossen Fall ins Nichts wache ich auf. Uff, bloss ein Traum.

Ich drehe mich erleichtert zur Bettmitte um. Nanu? Beinahe wäre ich bei meiner schwungvollen Drehung von der Bettkante gefallen, denn auch da ist nichts! Das halbe Zimmer fehlt – das Ehebett ist in der Mitte durchgeschnitten und meine Angetraute hat sich ebenfalls verkrümelt. Mist! Ich hänge wohl immer noch in meinem schauerlichen Traum fest! Was ist das hier? Inception?!

Wuumms. Schmerzerfüllt reisse ich meine Augen auf. Der Fussboden unter mir ist kalt und vor allem eins: hart! «Richi?», höre ich die verschlafene Stimme meiner Frau, «alles okay?». Vorsichtig richte ich mich auf und schaue im Schlafzimmer umher. Alles wieder da! «Nur ein böser Albtraum», erkläre ich und humple etwas zerwühlt ins Bad, denn der Wecker läutet sowieso bald und an Schlafen ist jetzt auch nicht mehr zu denken.

Am Frühstückstisch schmiere ich mir eine extradicke Scheibe Brot mit Konfitüre, während ich von meinem filmreifen Albtraum erzähle. Der von Worten begleitete Blick meiner Tochter schweift vom vollen Frühstücksteller auf meinen Bauch: «Vielleicht will dir dein Unterbewusstsein damit sagen, dass du etwas reduzieren solltest?» «Ja, zum Beispiel mit FdH», witzelt meine Frau und kneift mir dabei liebevoll in meinen Rettungsring. Leicht genervt verdrücke ich das letzte Stück Brot und schüttle dabei meinen Kopf. «Wenn ich eines weiss, dann, dass ich keine halben Sachen mache!»

Um dem Gesagten noch etwas Nachdruck zu verleihen, poltere ich die Treppe hinunter und stampfe zu meinen Winterschuhen. Nanu – nur einer? Wo ist denn der zweite geblieben? Hört das denn nie auf? Träume ich etwa immer noch? Doch sogleich stolpere ich über meinen zweiten Schuh und mache mich hastig auf den Weg ins Büro. Dort wartet hoffentlich ein «ganzer» normaler Arbeitstag auf mich!

Mit traumatisierten Grüssen,
Ihr Richi Münger